Der Studienabschluss von Andrej Kasakov fiel mit der beginnenden Perestrojka zusammen. Als junger Maler wurde er Mitglied des Verbandes der Künstler der UdSSR und erhielt staatliche Aufträge. Ab 1988 war es ihm möglich, Studienreisen ins Ausland zu unternehmen. Für den jungen Russen bedeutete dies die lange ersehnte Öffnung eines Tores zur Außenwelt. Er besuchte Portugal, Belgien und die Niederlande wie auch Ostdeutschland und die USA. Im Jahr 1992 reiste er zur Expo-92 ins spanische Sevilla. Wenig später kam er zum ersten Mal nach Österreich und hielt sich längere Zeit in Villach auf. Sein Studienaufenthalt wurde durch die großzügige Förderung seitens einiger Kärntner Kunstfreunde ermöglicht. In Österreich lebend, malte und zeichnete Andrej Kasakov unter anderem Porträts von hier lebenden bekannten Persönlichkeiten, die in einer viel beachteten Ausstellung gezeigt wurden.

Die nächsten Jahre verbrachte der Maler jeweils zur Hälfte in Österreich und in der UdSSR. Dort hatte die noch unvollendete Perestrojka wie auch die problematische Politik des neuen russischen Präsidenten Jelzin das Land in eine höchst brisante Lage versetzt. Dieser Situation fielen etliche bekannte Künstler der älteren Generation und zahlreiche prominente Träger der Wissenschaft und Kultur zum Opfer. Zu den Betroffenen zählte der in den Jahren davor mit höchsten staatlichen Auszeichnungen bedachte Vater Boris Kasakov, der trotz seiner einstigen Wertschätzung als „Verdienter Künstler der UdSSR“ durch die eingetretene Inflation alles Ersparte verloren hatte und nun mit einer kläglichen Monatspension sein Dasein fristete. Doch auch die jüngeren Maler, Bildhauer, Musiker, Sportler oder Wissenschafter kämpften um ihre wirtschaftliche Existenz.

In Österreich erlernte Andrej Kasakov sehr rasch die deutsche Sprache und vertiefte sich die Kultur des Landes. Er war fasziniert von der Mentalität der hier wohnenden Menschen und versuchte, sich deren „westlicher“ Lebensart anzupassen. Aufgrund seiner offenen und überaus kultivierten Art fand er in Kärnten bald zahlreiche neue Freunde, die ihm die mehrmonatige Trennung von seinen in Russland lebenden Verwandten leichter machten. Auf kleineren Reisen, etwa innerhalb Österreichs wie auch nach Italien oder Slowenien, studierte er mit Begeisterung die europäische Kunst und Geschichte. Auf diese Weise fand er Zugang zu neuen Themenkreisen, die sich in seinen vielfältigen Bildschöpfungen spiegelten.

Mittlerweile hat sich Andrej Kasakov, der seit 1995 Mitglied der Künstlervereinigung Kärnten ist, in Villach mitten im Grünen ein stilvolles Wohn-Atelier eingerichtet. Dort arbeitet er an Werken in verschiedensten Techniken, etwa an Zeichnungen, Aquarellen wie auch an Ölgemälden vom kleinsten bis zum beinahe monumentalen Format. Als begeisterter Bergsteiger beeindruckt ihn die Schönheit der Natur, die sich in zahlreichen stimmungsvollen Landschaftsbildern wieder findet. Nach wie vor ist jedoch das Porträt ein wichtiges Thema. Darüber hinaus sind allegorische oder aber historische Bildsujets bei ihm keine Seltenheit. Neben der Malerei betätigt er sich als Kulturvermittler, indem er seine österreichischen Freunde auf Reisen nach Moskau, St. Petersburg oder zum Goldenen Ring begleitet. Umgekehrt stellt er für Österreichbesucher aus seiner Heimat einen ungemein kenntnisreichen Fremdenführer dar.

Der akademische Maler hat jedoch nicht nur in Kärnten Fuß gefasst, auch in Wien ist er mit seinen Arbeiten in einem neu eingerichteten Atelier an prominenter Adresse präsent. Werke von Andrej Kasakov befinden sich mittlerweile in Privatsammlungen, Galerien und Museen in Russland, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Österreich, Italien, Slowenien, Italien, Japan, Korea und in den USA.